
Ein Chor ist mehr als die Summe seiner Stimmen: Er ist ein lebendiger Organismus, geprägt von der Vielfalt und den Eigenarten seiner Mitglieder. Oft steht das gemeinsame Klangbild im Mittelpunkt – doch hinter jeder Stimme verbirgt sich eine individuelle Persönlichkeit, eine Geschichte und vielleicht eine besondere Motivation. Was treibt die Menschen an, Teil unseres Chores zu sein? Welche Wege haben sie zum Chor geführt, und was bedeutet das Singen für sie?
In dieser Interview-Reihe haben Eva und Thorsten versucht, den Menschen hinter den Noten in den Blick nehmen. So kann man den einzelnen Menschen etwas näher kennenzulernen.

Erika – Mezzosopran und Moderatorin
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Eva: Vielen Dank für deine Bereitschaft, uns für dieses Interview zur Verfügung zu stehen. Hier gleich unsere erste Frage: Warum singst du ?
Erika: Aus verschiedenen Gründen: Weil ich singen schön finde und Singen für mich ein Ausdruck von Lebensfreude ist. Zu dem Chor der Chorgemeinschaft HinGehört bin ich durch eine Ärztin gekommen, bei der ich mal war. Das war wegen anderer Beschwerden. Ich habe ihr gesagt: „Ich glaube, ich atme falsch! Ich atme immer so flach.“ Ihre Antwort war: „Dann gehen Sie singen, das ist gesund.“ Sie hatte gelesen, der Projektchor der Landesgartenschau suche neue Mitglieder, und so bin ich zum Chor gekommen! Bei meinem ersten Besuch kam gleich ein Mitglied des Vorstands auf mich zu – eine nette Atmosphäre – und ja, dann natürlich gefällt mir das Repertoire von HinGehört !
Eva: Und wie lange singst du schon?
Erika: Seit 2010, also von Anbeginn des Vereins. Offizielles Mitglied bin ich seit Februar 2011. Aber die Proben habe ich seit November 2010 besucht, also ziemlich bald nach dem Ende der Landesgartenschau und dem Ende des Projektchores. Diesem Ende schloss sich ja bereits wenige Wochen später die Vereinsgründung der Chorgemeinschaft HinGehört an. Zunächst haben wir in der Stadtschule an der Wilhelmskirche geprobt. Mittlerweile bin ich auch einige Jahre im Vorstand und mache die Moderation der Konzerte. Ich habe zwar eine gewisse Routine – gleichwohl bin ich doch immer ziemlich aufgeregt!
Torsten: War das dein erster Kontakt zur Chormusik oder gibt’s da noch frühere Erfahrung?
Erika: Ja, in jungen Jahren war ich schon mal in einem Gesangsverein – wie das auf dem Dorf üblich ist – der „Gesangsverein Germania“ in meinem Heimatort. Ich war mit meiner Schwester zusammen dort . Sie hat mich begleitet. Unsere Mutter hat mit mir und meiner Schwester zu Hause schon viel gesungen.
Und da ging es mir so, wie wenn Du einen (alten) Freund, den man jahrelang aus den Augen verloren hatte nach vielen Jahren wieder triffst und die alte Vertrautheit sofort wieder da ist. Aber so wie damals – solche Lieder möchte ich nicht mehr singen! Die Lieder, die wir mit unserem Chor singen, sind genau mein Geschmack: „Flotte Lieder“ halt.
Eva: Was bedeutet Singen für dich?
Erika: Also Singen ist für mich ein Ausdruck von Lebensfreude! Wenn ich schlecht drauf bin, also wenn es mir nicht gut geht psychisch, aus welchen Gründen auch immer, kann ich nicht singen. Es kommt nichts aus mir raus. Wenn es mir gut geht, dann singe ich, weil das ein Ausdruck für mich ist von: „Es geht mir gut und ich liebe das Leben!“ Alles ist schön und alles ist gut. Dann singe ich natürlich auch lautstark im Auto, weil es keinen stört, wenn ich die Lieder mitschmettere.
Torsten: Was würdest Du denn interessierten Sängerinnen und Sängern – nein ich korrigiere mich – interessierten Menschen raten. Die Korrektur bezieht sich darauf, daß man ja nicht als Sänger zur Welt kommt, sondern irgendwann den ersten Schritt gehen möchte.
Erika: Ich würde ihm sagen, er soll einen Chor finden, dessen Liedauswahl ihm oder ihr gefällt. Wenn du gerne singst, ist das eine schöne Gemeinschaft. Ich habe es oft schon erlebt – wenn ich hier im Winter zu Hause war, und es war so ein blöder Tag, grau und trüb: Eigentlich hatte ich gar keine Lust, abends noch rauszugehen und zu singen. Ich tue es trotzdem. Dann komme ich nach der Chorprobe nach anderthalb Stunden nach Hause und denke: „Alles ist gut!“
Eva: Wie sähe es dann im Umkehrschluss aus, wenn es die Chorgemeinschaft HinGehört nicht gäbe?
Erika: Ich würde in meiner Wohnung hocken und würde wahrscheinlich eine Rosamunde Pilcher – Schnulze gucken, weil …die „Tatorte“ kann ich nicht mehr sehen, die sind mir alle zu duster.
Sonntag ist sowieso nicht so mein Lieblingstag. Weil – viele Leute haben sonntags einfach keine Zeit, sich mit anderen zu treffen. Während der Woche trifft man sich mit dem und jenem. Aber Sonntag sind immer alle irgendwie mit der Familie zusammen. Dann ist Sonntagabend für mich schön!
Ich freue mich sehr über unseren neuen Chorleiter, das muss ich schon sagen, wobei ich Daniel (Görlich, dem Chorleiter 2010 bis 2018) auch sehr gemocht habe. Ich finde, wir haben sehr, sehr viel bei ihm gelernt. Ich bin – wie am Anfang erwähnt – ja schon lange dabei und habe den Werdegang des Chors miterlebt. Ich glaube, er hat viel aus uns rausgeholt und er wusste, was wir können und was er von uns verlangen kann. Bei Holger (Kapteinat, dem Chorleiter seit 2019) war mir eben auch wichtig, dass da ein Chorleiter ist, der auch mit Spaß dabei ist.
Er ist ein Chorleiter, der die Chorprobe nicht anonym „runter rasselt“: Im Gegensatz zu anderen zu denen man irgendwie keine Verbindung aufbauen kann. Chorgesang hat eben auch eine, nicht unwesentliche, soziale Komponente. Es macht mir gleich noch einmal so viel Spaß bei den Auftritten: Wenn ich Holger sehe, wie er am Piano sitzt und in die Tasten haut und unterstützend mitsingt, sich freut und Spaß dabei hat, dann ist das einfach wunderbar. Ich möchte es nicht missen und hoffe, dass meine Stimme noch lange trägt.
Ich sage jedem, der mich fragt: „Komm zur Chorgemeinschaft HinGehört!“
Peter – Tenor und Vorstand
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Eva: Warum singest du im Chor? Du bist schon etliche Jahre unser erster Vorsitzender im Chor. Warum singst du überhaupt im Chor?
Peter: Weil ich mir vor vielen Jahren eine Gitarre zugelegt habe. Vor wirklich vielen Jahren. Wenn man dazu singt, klingt es schöner, hab das auch mal in einer Band ausprobiert und bin kläglich gescheitert. Hab mich aber dann doch mal dazu aufgerafft, mit anderen Menschen zu singen und zu spielen, hab dann immer mehr gemerkt, mmh, so toll kann ich`s nicht. Also hab ich Gesangsunterricht genommen und dadurch bin ich in einen Chor gekommen, der dann leider irgendwann aufgehört hat. Und dann ergab sich die Möglichkeit, bei einem Projektchor mitzumachen. Das Repertoire hat mich überzeugt, daher bin ich dabei geblieben und im Laufe der Zeit…Jetzt muss ich den blöden Witz anbringen, „Wer nicht schnell genug wegspringt, ist Vorsitzender“. Aber ja, da ist dann auch Verantwortung gefragt und in der Position hat man die natürlich. Ich mach`s halt so gut ich kann, singe auch, so gut ich kann. Mit dem neuen Chorleiter macht`s nochmal mehr Spaß, deswegen bleib ich dabei. Unser Chorleiter ist ein zugewandter Mensch, offen und freundlich und für jeden Schabernack zu haben, trotzdem konzentriert bei der Sache und versteht das Singen; er ist ja auch ausgebildeter Sänger.
Torsten: Du hast gesagt, du singst schon lange, wie ist denn da die Zeitspanne?
Peter: Also – die Gitarre hab´ ich mit siebzehn gekauft, jetzt werd´ ich sechzig.
Kommentar: Das ist ja ´ne ziemlich lange Musik „karriere“…
Peter: Die erste Band hatte ich als Zivildienstleistender mit ein paar Leuten aus dem Kindergottesdienst bzw. den Konfirmanten. Wir hatten auch zwei Auftritte damals, mit selbstgeschriebenen Stücken, ich hab gesungen, die anderen haben die Stücke geschrieben. Das war schon spannend. Die Bühne hat mich damals irgendwie angefixt, auch teilweise das Theaterspielen. So ging das dann weiter. Mit dreißig hab´ ich es nochmal mit einer Band probiert und hab danach noch ein bisschen Gesangsunterricht genommen. In den 90er -Jahren war ich dann bei den „Hightownvoices“, welche übrigens im Moment ein Revival erleben zusammen mit Annika Klar, die ziemlich bekannt ist im Rhein-Main-Gebiet. Die spielen solche Formate wie “Rock und Gebläse“. Wer sich für fetzige Rockmusik interessiert, kann sich das mal angucken. Das hat was! So dreißig Leute auf der Bühne und vier Sänger. Das hat was! In der Zwischenzeit bin ich zu diesem Chor gekommen, der erst keinen Namen hatte, dann ein Projektchor für die Landesgartenschau war.
Eva: Du spielst Gitarre und singst. Was bedeutet denn Singen genau für dich?
Peter: Es rührt meine Gefühle an und macht mich glücklich, auch manchmal traurig, wenn das Lied entsprechend ist. Musik und auch Gerüche sind Eindrücke, die sehr direkt mit dem Gefühl verknüpft sind, hör ich eine Musik, die mit einem Ereignis verknüpft ist, dann bin ich da wieder, spür ich das wieder und erlebe es nochmal.
Torsten: Bisschen genauer?
Peter: Musik ist auch Ausdruck meiner Persönlichkeit, es geht sogar auch so weit, dies ein Stück weit zu schauspielern. Denn wenn ich einen Titel singe, dann hat der Text ja eine Aussage und das Singen gelingt mir natürlich leichter, wenn ich voll hinter der Aussage stehe. Es gibt auch Aussagen, in die kann ich mich nicht hineinversetzen. Im Chor mag ich sehr die Liebeslieder vom Elvis, das „Halleluja“ und noch einige. Das Lied „The Rose“ ist so eins, komischerweise, das etwas in mir auslöst.
Torsten: Was würdest du eventuell interessierten Sängerinnen und Sängern sagen?
Zuerst sollten sie sich überlegen, ob ihnen unser Repertoire gefällt und ob sie damit klarkommen, Evergreens, Rock- und Popmusik zu singen. Es ist auch OK wenn diese Person, wenig über sich selbst im Bezug auf Singen kennt und wenig Erfahrungen mit Singen und Chormusik hat. Man kann im Chor selbst Erfahrungen sammeln und wirklich viel lernen. Meinen gesanglich- stimmlichen Ausdruck habe ich erst in der kurzen Stimmausbildung und dann viel mehr über die Zeit in der Chorgemeinschaft „HinGehört“ gefunden. Da singe ich wesentlich länger als sonst wo…und es gibt dort eine gratis Stimmausbildung! Und es wird geübt! Interessierte sollten einfach mal kommen, sich umschauen, ob ihnen die Situation und die Sängerinnen und Sänger sympathisch sind, und wenn das stimmt, sie Zeit haben und gerne singen, dann sind sie in der Chorgemeinschaft „HinGehört“ gut aufgehoben.
Eva: Wie sähe dein Sonntagabend ohne die Chorgemeinschaft „HinGehört“ aus?
Peter: Dann wäre auf jeden Fall ein Platz frei, und es würde mir auf jeden Fall etwas fehlen. Ich weiß nicht, ob ich das in gleicher Form mit einem anderen Chor füllen könnte. Der „Tatort“-Krimi ist für mich nicht der passende Lückenfüller. Ich erlebe Fernsehen grade zurzeit als Zeitverschwendung. Wenn ich fernsehen will, dann wähle ich bewusst aus. „Tatort“ – wenn´s denn wirklich sein soll, dann auf Abruf im Internet oder anderthalb Stunden später in einem anderen Programm..
Danke, Peter, für dein Engagement in der Chorgemeinschaft HinGehört.


Rita – Mezzosopran
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Eva Wir wollen dir deutlich sagen, dass wir froh sind, dass du bei uns bist! Warum singst du im Chor?
Rita: Ich habe als Schülerin schon im Chor gesungen gesungen, dann auch in der weiterführenden Schule, während des Studiums mal und dann schlief das ein, das Singen. Dann bot in Ober Rosbach der evangelische Pfarrer einen Gospelworkshop an, und ich dachte, da machste mit. Das war dann wieder mein Einstieg ins Chorsingen. Ich habe wieder gemerkt, wieviel Spaß das Singen im Chor macht. Ich finde es wichtig zu schauen, wie ist das Repertoire? Macht es mir Spaß? Ansonsten finde ich, Singen macht echt glücklich, auch wenn das erstmal platt klingt. Ganz oft, wenn ich aus der Chorprobe rausgehe, habe ich eine Melodie im Kopf und trällere sie dauernd vor mich hin. Ich glaube, man sagt nicht umsonst, Singen sei die Sprache der Seele. Ich glaube, dass es auch viele Situationen im Leben gibt, wo man ganz viel mit Musik ausdrücken kann. Ein Chor kann viel Freude geben: man singt zusammen, man macht was zusammen, hat Spaß zusammen, man „produziert etwas zusammen“, ja, man entwickelt ein gemeinsames Produkt. Einen Auftritt finde ich sehr schön, wenn wir in Altersheimen singen, freuen sich die Oldies, da kommt echt einiges zurück, und man merkt, dass es ihnen guttut. Das tut uns dann auch wieder gut.
Torsten: Ja, es ist ein Geben und Nehmen. Wenn die Leute da sitzen, zuhören, mitsingen und auch klatschen. Das ist wiederum wichtig für uns Sänger. Unser Repertoire ist ja so, dass etliche Menschen mitgehen bzw. mitsingen können.
Eva: Alleine gesungen hast du nicht?
Rita: Nein, nur in Chören.
Torsten: Also singst du schon seit Kindesbeinen.
Rita: Ja, meine Mutter hat auch gern mit uns gesungen.
Eva: Was hat dich dazu gebracht, bei uns zu singen?
Rita: In letzter Konsequenz war es das Weihnachtsprojekt. Uschi hatte mich angesprochen, ob ich nicht mal Lust hätte. Ich dachte mir, warum eigentlich nicht? Ich gucke mir das an, weil es ist ja für eine überschaubare Zeit. Ich finde den Sonntagabendtermin für mich zwar nicht megaglücklich, ehrlich gesagt, aber man kann es ja ausprobieren, dachte ich. Daher sehe ich so eine Projektarbeit auch als eine sehr gute Sache. Dann ging es darum, was sonst gesungen wird – da dachte ich: Das passt! Das passt gut! (lacht)
Die ganz modernen Lieder finde ich oft schwierig, weil die Leute schnell müde vom Hören sind. Aber die Evergreens- die finde ich schön.
Torsten: Die Evergreens sind zeitlos, die waren vor 10 oder 20 Jahren aktuell und sind es heute immer noch. Da erinnerst du dich an die Melodie, auch an den Rhythmus, aber oft nicht an den Text.
Eva: Wie ist das mit deinem Glücksgefühl beim Singen, kannst du das besser beschreiben?
Rita: Ganz oft macht Musik gute Laune, egal, ob beim Singen oder Zuhören, aber es hilft auch manchmal in traurigen Situationen. Gemeinsames Singen kann einen tragen. …Glück ist immer so ein großes Wort…Beim Singen fühle ich mich gut aufgehoben durch das Gemeinsame. Da merkt man so deutlich, dass der Mensch ein gemeinschaftliches Wesen ist. Das kommt für mich ganz ganz doll zum Tragen.
Torsten: Unser Chorleiter stellt auch das Gemeinsame in den Vordergrund, er nimmt alle mit, er lässt keinen in seiner Verzweiflung (weil er eine Stelle in der Tonfolge nicht schafft, weil es schwierig ist). Er nimmt uns an die Hand und probiert das Richtige auch mal als Endlosschleife. Er hilft den Sänger/innen über solche Stolpersteine hinweg. Und für uns ist das auch ein positives Gemeinschaftsgefühl, wenn wir so eine schwierige Stelle überwunden und ein Erfolgserlebnis haben.
Rita: Wir sind ja nur relativ wenige Sängerinnen und Sänger, bei so wenigen ist es so wichtig, dass jeder in seiner Stimme eine gewisse Sicherheit hat. In einem großen Chor fällt das nicht weiter auf, wenn einer unsicher ist. Das Miteinander- singen und doch immer wieder aufeinander Rücksicht nehmen, so dass jeder seinen Part hat und die Einzelteile zum Großen zusammengefügt werden, das spiegelt so vieles wider, was uns als Menschen ausmacht. Das Singen- das ist Balsam für die Seele.
Eva: Das ist inzwischen ja auch wissenschaftlich untersucht, mit dem Dobendan da oben. Alle lachen.
Rita: Dopamin!
Torsten: Was würdest du Interessierten sagen?
Rita: Schwierige Frage!
Ich würde raten, es einfach mal auszuprobieren…Viele singen oder daddeln zu Hause so vor sich hin und denken: “Ich kann nicht singen“ – das hört man auch bei Schülern…Ich denke, Jeder kann singen! Das können vielleicht nicht alle gleich gut. Jetzt, nach der Corona-Zeit waren das Einsingen und die Stimmübungen erst mal wieder schwierig, die Stimme musste geölt werden. Jetzt geht’s mit dem Singen schon wieder besser. Dass man diesen Stimmapparat richtig trainieren kann, ist faszinierend. Man kann Erfolgserlebnisse haben, auch wenn man nicht wirklich begnadet ist.
Torsten: Wie sind deine Sonntage ohne Chorprobe?
Rita: „Tatort“ inclusive Bügelbrett. Das ist so ein Klassiker (alle lachen).
Torsten: Als wir anfangen wollten mit den Chorproben, hab ich gesagt, die Sänger dürfen keine Tatortfans sein, aber inzwischen gibt es doch ganz andere Möglichkeiten, um trotzdem nichts zu verpassen…
Eva und Torsten: Vielen Dank, liebe Rita, für dieses Interview.
Elisabeth – Sopran
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Eva: Liebe Elisabeth, warum singst du im Chor?
Elisabeth: Ja, das hat sich erst probehalber entwickelt, ich hatte noch nie im Chor gesungen und bin dann von Eva angesprochen worden, ob ich nicht Lust hätte, mitzusingen. Das kam sehr überraschend, aber ich bin ein offener Mensch und hab gedacht, ok, ich probiere es einfach mal aus. Habe mich dann einfach zu den Altstimmen gestellt und gemerkt, dass es nicht so ganz ohne ist, zumal ich ja gar keine Chorerfahrungen habe, und dann hat der Chorleiter mir empfohlen es im Sopran zu versuchen. Seitdem tue ich das. Da fühle ich mich wohl und bin seitdem dabei.
Eva: Ja das ist extrem schön! Du wirkst, als würdest du schon immer im Chor singen. Ich weiß erst seit gestern, dass du überhaupt noch keine Erfahrungen damit hast.
Torsten: Da erübrigt sich ja wohl die Frage, wie lange du schon im Chor singst…
Elisabeth: Ja, das ist erst seit April, also ein gutes halbes Jahr.
Torsten: Das sieht man dir beim singen, auch bei den bereits absolvierten Auftritten tatsächlich nicht an.
Alle lachen.
Elisabeth: Ich singe auch erst sehr verhalten und kuck dann…
Torsten: Imitation ist ja auch die erste Stufe beim Lernen. Insofern ist das verständlich.
Eva: Was bedeutet Singen für dich, – innen?
Elisabeth: Ja, ich war einfach mal neugierig, was passiert in mir, wenn ich singe. Das Repertoire gefällt mir sehr gut, das ist eine der positiven Erfahrungen, zumal ich Chöre immer sehr spießig fand. Als junge Frau fand ich sowas immer altbacken, ich kannte nur den Kirchenchor im Dorf. Ich habe die Chorgemeinschaft HinGehört zum ersten Mal wahrgenommen beim Jugendstilmarkt in Bad Nauheim und hab gedacht: „Kuck mal, da singt ja die Eva (Moch) mit und der Peter (Muth – unser Vorsitzender) ist auch da, das sind doch ganz normale Menschen!“
Alle lachen.
Dann, eineinhalb Jahre später, spricht Eva mich an, ob ich nicht mitsingen möchte. Ich hab gesagt: „ Ok, ich probiere es“. Es tut mir gut, ich mach es sehr gerne, ich hab ja ansonsten einen vollen Tagesplan und der Probentermin passt einfach in meine Zeiten. Sonntagabends habe ich definitiv keine Termine.
Eva: Ich mag nochmal nachbohren: Du sagst, das Singen tut dir gut. Kannst du es genauer sagen? Als sensibler Mensch kannst du das bestimmt gut beschreiben.
Elisabeth: Ja, also ich geh total gerne hin, egal, was draußen für ein Wetter ist oder was ich vorher gemacht habe. Ich freu mich da zu sein und gehe genauso froh und gelöst wieder raus. Es macht mich sehr zufrieden, und ich habe meistens noch ein Lied im Ohr, das sich noch ein paar Tage hinten anhängt, ein Lied, das ich immer wieder als Ohrwurm mitnehme. Es ist einfach sehr unterhaltsam mit unserem lieben Holger. Der Sonntagabend ist einfach ein schöner Abend.
Eva (bewundernd): Toll. Ja, und dir macht es gar nix aus, ich jammere immer so ein bisschen, wenn ich im Dunkeln nochmal raus muss. Dir macht das gar nix.
Elisabeth: Was ich auch gut finde, ist, dass ich mich sehr konzentrieren muss, wenn ich singe, dadurch, dass ich noch nicht so erfahren bin und genau aufpassen muss. Und das ist nochmal eine Herausforderung, die ich sonst nicht habe.
Eva: Wenn du Töpfe auf der Drehscheibe machst, das ist doch eine ähnliche Erfahrung.
Elisabeth: Da bin ich routiniert, das mach ich beruflich seit 40 Jahren, da bin ich anders konzentriert.
Torsten: Da wissen die Hände schon, was sie machen müssen. Du weißt, so soll der Topf aussehen, da wissen die Hände schon, wie sie mit dem Material umgehen müssen. Das ist nach so langer Zeit sicher eine Art Automatismus, denk ich mir. An dieser Stelle (Singen) ist das eine total andere Belastung. Man muss lesen (Text, Noten), man muss hören, man hört bei anderen Stimmen, wie der Rhythmus sein soll; du hörst das Zusammenspiel der verschiedenen Stimmen. Wenn ich dabeisitze und gerade nicht singen muss, kann ich aufgrund der Noten sehen, dass z.B. der Rhythmus bei den unteren drei Stimmen gleich ist. So hörst du zu und kannst versuchen, leise deine Stimme auszuprobieren. Es ist schon eine andere Art der Konzentration. Es sind mehrere Sinne, die beim Chorsingen mitspielen.
Elisabeth: Es ist ein bisschen so, als würdest du eine andere Sprache lernen, aber auf eine andere Art, irgendwie komplexer.
Eva: Beteiligt ist- na klar- auch der Intellekt. Dieses Wissen und das Erlernte und Geübte wird durch Übung in den Körper übertragen und wenn du die Töpferscheibe drehst, ist das so automatisiert wie bei Leuten, die tanzen können, da ist das Wissen in den Füßen und Beinen.
Elisabeth: Wenn du Serien von Gefäßen drehst, dann hast du das Stichmaß als Hilfe , dann ist es sehr automatisiert. Ja, das Chorsingen ist schon was Besonderes.
Torsten: Was würdest du interessierten Menschen sagen?
Elisabeth: Meine Freundin z.B. hat ihre Hunde und sie hat auch noch nicht gesagt, dass sie gerne singen möchte. Habe schon ein paar Bekannte gefragt, denen ich erzählt habe, dass ich in der Chorgemeinschaft HinGehört bin und die sagen schon, ja, sie würden vielleicht gerne……und ich weiß nicht, warum es nicht klappt. Ich sag jedem, er oder sie müsste es ausprobieren, mir selbst tut es gut. Ich fühl mich da sehr wohl. Es ist dort nicht verbiestert- sag ich mal,- oder zu streng, die Anforderungen sind machbar. Wenn man was nicht gleich hinkriegt, ist es auch nicht schlimm.
Torsten: Wir sind doch alle keine Profis. Mit Holger macht es extrem Spaß, er nimmt sich für jede Stimme die Zeit, die der und diejenige braucht und er weiß genau, wie er durch verschiedene Übungen und Einstellungen eine Stelle, die vorher nicht geklappt hat, üben kann, und es so hinzubiegen, dass am Ende das steht, was die Noten sagen und was Holger geliefert haben will. Das ist eine beneidenswerte Fähigkeit, die Holger mitbringt Er stellt dann so lange an den Stellschrauben, macht`s mal mit „u“, macht`s mal mit „a“, macht´s mal kurz und mal langsam, bis es richtig ist.
Elisabeth: Das finde ich auch grad sehr spannend, wenn er so an den Stimmen arbeitet, da lernt man am meisten dabei, man lernt, mit seinem Ohr zu hören
Eva: Was würdest du tun, wenn am Sonntagabend kein Chor HinGehört auf dich warten würde?
Elisabeth: Wahrscheinlich würde ich ein Essen kochen und mit meiner Freundin zusammen hier essen.
Torsten: Vielen Dank für das Interview, es ist schön, dass du mit uns singst! Wir hoffen, dass es dir noch lange Spaß macht. Wir freuen uns, wenn dein Werben um neue Sänger und Sängerinnen mit diesem Interview vielleicht bei dem einen oder anderen Erfolg hat. Wir hätten schon sehr gern mehr Sängerinnen und Sänger in unserem Chor, Sänger natürlich noch ein kleines bisschen mehr lieber – so ein oder zwei gestandene Bässe. Aber – das Leben ist kein Wunschkonzert.
Eva: Ich freu mich auch sehr, dass du dabei bist, denn wir haben ja einige Jahre zusammen mit der Kunst verbracht – jetzt machen wir diese Kunst.


Ursula – Mezzosopran
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Torsten: In Zeiten von Corona treffen wir uns im Freien mit Hygiene-Abstand und führen das Interview bei Ursel im Garten; im Hintergrund rauscht ein Brunnen.
Ja, Ursel, wir haben jetzt schon viele Wochen Unterbrechung, uns fehlt der Chorgesang schon; das geht wohl allen so. Das führt uns natürlich direkt zu unserer ersten Frage: Warum singst du überhaupt im Chor?
Ursula: Ich singe im Chor, weil`s mir unheimlich Spaß macht: es ist ein Lebensgefühl und die Gemeinschaft sowie die Lieder sind mir wichtig.
Eva: Wie lange singst du schon? Denk auch mal Richtung Kindheit.
Ursula: Ich bin eigentlich mit Singen groß geworden. Mein Vater war Chorleiter von einem Männerchor, meine Mutter hat viel gesungen, mein Bruder auch, wir haben eigentlich oft gemeinsam gesungen. An meine Mutter habe ich schöne Erinnerungen, beim Abtrocknen und Spülen wurde stets zweistimmig gesungen. Das Singen hat mein ganzes Leben begleitet: bei Jugendfreizeiten mit Lagerfeuer oder in Berghütten – da war immer jemand dabei, der Gitarre spielen konnte. Im Schulchor war ich auch. Aber das Volksliedersingen hat nachgelassen. Heute singt man eher alte Schlager und Hits, deswegen gefällt mir auch unser Chor.
Eva: Kannst du noch die alten Volkslieder?
Ich kann noch ein paar Volkslieder, aber ich bin nicht mehr textsicher. In der Schule haben wir viel gesungen. Wenn unsere Klassenlehrerin in den Unterricht kam, stellten wir uns zum Singen auf. Morgens war das: „Jeden Morgen geht die Sonne auf“. Später dann „Im Frühtau zu Berge“ und andere Wanderlieder. Dadurch, dass ich immer viel Sport gemacht habe, bin ich auch viel zum Singen gekommen.
Eva: Beim Sport??
Ursula: Auf der Fahrt im Bus zum Wettkampf zum Beispiel. Es gab auch u.a. einen besonderen Wettbewerb: Gruppenturnen, Gruppensingen, Gruppentanzen. Auch begannen alljährlich die Bundesjugendspiele mit „Hoch auf dem gelben Wagen“.
Torsten: Was hat dich dazu bewogen, bei der Chorgemeinschaft HinGehört und schon bei dem Vorgänger „Projektchor der Landesgartenschau“ zu singen?
Ursula: Ich hatte schon immer viel Interesse, irgendwo mitzusingen. Das hat sich so ergeben. Ich hab´ in Friedberg gewohnt, da gab es die Kantorei, den Kirchenchor, aber das waren so schwere Lieder, dazu hatte ich keine Lust. Dann habe ich mich in der Friedberger Umgebung umgesehen. In einem Chor z.B. die Lieder – u.a. Operetten – waren ok, aber jeder musste sein Kostüm dazu selbst nähen. So war ich auf der Suche, bis eine Freundin mir vom Chor der Landesgartenschau erzählt hat, da dachte ich: „Das ist ja toll, auch zeitlich begrenzt, da mach ich mit“. Das war 2009 im Hotel Rosenau. Ich weiß noch…ich komme zur ersten Stunde und sie singen die „Bohemian Rhapsodie“. „Um Gottes Willen, das kannst du nie!“ Es hat sich sooo toll angehört. Ich wurde immer kleiner….Aber dann hat sich das langsam entwickelt. So war ich mit Freude bei allen Auftritten dabei. Als es dann hieß:“ Wollen wir einen Chor gründen“, habe ich nicht lange überlegt…
Eva: Das heißt, du bist auch eine 10-Jahre -Jubilarin im Chor, der 2010 gegründet wurde.
Torsten: Was bedeutet denn das Singen für dich, ganz persönlich?
Ursula: Ich hab gemerkt bei den Chorstunden, dass das Singen mir einfach gut tut. Erst mal gesundheitlich – Ich hatte früher immer einmal im Winter eine Erkältung und die Stimme war weg. Durch die vielen Stimmübungen habe ich gar keine Probleme mehr. Auch kann ich voll abschalten, wenn ich in der Probe sitze, weil man sich konzentrieren muss, auch wenn man nicht singt, oder man verfolgt die Noten und hört den Anderen zu.
Eva: Kannst du dich im Chorgesang selbst ausdrücken?
Ursula: Einmal ist es der gesundheitliche Aspekt, aber auch das Lebensgefühl, das finde ich so schön. Ich merke, man fängt ein Lied an und erarbeitet es langsam und nachher klingt es in der Gemeinschaft toll. Zunächst übe ich ja nur meine Altstimme. Mit der Altstimme hast du ja nicht die Hauptmelodie. Dann staune ich manchmal wie gut sich ein Lied mit allen Stimmen anhört.
Torsten: Ja, das ist wie ein Puzzle, man sieht zuerst seine eigenen Teile und im Chorgesang ergibt sich dann ein schönes Bild, das sich zusammensetzt aus vielen dieser Teile. Und erst wenn die Teile zusammenpassen, dann ist´s komplett.
Ursula: Das Singen an sich ist für mich wichtig: Ich singe beim Radfahren, wenn ich traurig bin, wenn ich gut gelaunt bin; ich singe nicht immer mit Texten, aber Singen ist schön, für meinen eigenen Ausdruck. Mein Klavier hilft mir, wenn wir neue Lieder einüben, dann spiele ich mit einer Hand meine Altstimme. Die Gemeinschaft spielt auch eine Rolle. Es sind nette Leute dabei, man trifft sich einmal in der Woche und kann sich austauschen.
Torsten: Was würdest du interessierten Personen sagen?
Ursula: Denen würde ich erzählen, wie es mir erging, dass ich am Anfang nur wenig selbstbewusst ganz leise mitgesungen habe und dann nach einigen Chorstunden gemerkt habe, oh, da tut sich ja was. Inzwischen macht mir das gar nichts mehr aus, laut mitzusingen, wenn´s verkehrt ist, ist´s auch gut und nicht schlimm. Dann merkt der Chorleiter, was noch zu tun ist. Den Mut bekommt man. Diese Entwicklung finde ich toll.
Ich würde jedem raten, mal in einen Chor zu gehen; man kann ja erst schnuppern. Man sollte sich wohlfühlen, von den Mitgliedern her und – natürlich spielen die Lieder eine große Rolle. Mit den Hits oder Schlagern, die wir bei HinGehört singen, ist ja für jeden was dabei.
Eva: Ich finde das so spannend, wie die Melodien und Texte vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis wandern.
Ursula: Genau. Mir fällt es schwer, sich die Texte zu merken. In der Gruppe ist es einfacher, ich versuche vom Chorleiter den Text vom Mund abzulesen. Wenn die Melodie da ist, kommt der Text wiederum leichter ins Gedächtnis.
Torsten: Wie sähe dein Sonntagabend ohne Chorgesang aus?
Ursula: In Zeiten von Corona habe ich mich schon bisschen dran gewöhnt, so ohne Chor. Aber es fehlt was, ich vermisse die Stunde.
Torsten und Eva: Danke, liebe Ursel für dieses Interview! Bleib schön gesund! Wir alle hoffen, dass wir bald wieder zusammen singen dürfen.
