Interview mit Ursula Till

In dieser Reihe stellen wir Ihnen im Rahmen von Interviews Sängerinnen und Sänger unseres Chores vor:

Interview mit Ursula Till

NameUrsula Till
StimmeMezzosopran
Seit 2009 schon im Vorläufer des Vereins, dem LGS Projektchor, aktiv

 

 

Interview mit Eva Moch und Torsten Sprengel

Torsten: In Zeiten von Corona treffen wir uns im Freien mit Hygiene-Abstand und führen das Interview bei Ursel im Garten; im Hintergrund rauscht ein Brunnen.
Ja, Ursel, wir haben jetzt schon viele Wochen Unterbrechung, uns fehlt der Chorgesang schon; das geht wohl allen so. Das führt uns natürlich direkt zu unserer ersten Frage: Warum singst du überhaupt im Chor?

Ursula: Ich singe im Chor, weil`s mir unheimlich Spaß macht: es ist ein Lebensgefühl und die Gemeinschaft sowie die Lieder sind mir wichtig.

Eva: Wie lange singst du schon? Denk auch mal Richtung Kindheit.

Ursula: Ich bin eigentlich mit Singen groß geworden. Mein Vater war Chorleiter von einem Männerchor, meine Mutter hat viel gesungen, mein Bruder auch, wir haben eigentlich oft gemeinsam gesungen. An meine Mutter habe ich schöne Erinnerungen, beim Abtrocknen und Spülen wurde stets zweistimmig gesungen. Das Singen hat mein ganzes Leben begleitet: bei Jugendfreizeiten mit Lagerfeuer oder in Berghütten - da war immer jemand dabei, der Gitarre spielen konnte. Im Schulchor war ich auch. Aber das Volksliedersingen hat nachgelassen. Heute singt man eher alte Schlager und Hits, deswegen gefällt mir auch unser Chor.

Eva: Kannst du noch die alten Volkslieder?
Ich kann noch ein paar Volkslieder, aber ich bin nicht mehr textsicher. In der Schule haben wir viel gesungen. Wenn unsere Klassenlehrerin in den Unterricht kam, stellten wir uns zum Singen auf. Morgens war das: „Jeden Morgen geht die Sonne auf“. Später dann „Im Frühtau zu Berge“ und andere Wanderlieder. Dadurch, dass ich immer viel Sport gemacht habe, bin ich auch viel zum Singen gekommen.

Eva: Beim Sport??

Ursula: Auf der Fahrt im Bus zum Wettkampf zum Beispiel. Es gab auch u.a. einen besonderen Wettbewerb: Gruppenturnen, Gruppensingen, Gruppentanzen. Auch begannen alljährlich die Bundesjugendspiele mit „Hoch auf dem gelben Wagen“.

Torsten: Was hat dich dazu bewogen, bei der Chorgemeinschaft HinGehört und schon bei dem Vorgänger „Projektchor der Landesgartenschau“ zu singen?

Ursula: Ich hatte schon immer viel Interesse, irgendwo mitzusingen. Das hat sich so ergeben. Ich hab´ in Friedberg gewohnt, da gab es die Kantorei, den Kirchenchor, aber das waren so schwere Lieder, dazu hatte ich keine Lust. Dann habe ich mich in der Friedberger Umgebung umgesehen. In einem Chor z.B. die Lieder – u.a. Operetten – waren ok, aber jeder musste sein Kostüm dazu selbst nähen. So war ich auf der Suche, bis eine Freundin mir vom Chor der Landesgartenschau erzählt hat, da dachte ich: „Das ist ja toll, auch zeitlich begrenzt, da mach ich mit“. Das war 2009 im Hotel Rosenau. Ich weiß noch…ich komme zur ersten Stunde und sie singen die „Bohemian Rhapsodie“. „Um Gottes Willen, das kannst du nie!“ Es hat sich sooo toll angehört. Ich wurde immer kleiner….Aber dann hat sich das langsam entwickelt. So war ich mit Freude bei allen Auftritten dabei. Als es dann hieß:“ Wollen wir einen Chor gründen“, habe ich nicht lange überlegt…

Eva: Das heißt, du bist auch eine 10-Jahre -Jubilarin im Chor, der 2010 gegründet wurde.

Torsten: Was bedeutet denn das Singen für dich, ganz persönlich?

Ursula: Ich hab gemerkt bei den Chorstunden, dass das Singen mir einfach gut tut. Erst mal gesundheitlich - Ich hatte früher immer einmal im Winter eine Erkältung und die Stimme war weg. Durch die vielen Stimmübungen habe ich gar keine Probleme mehr. Auch kann ich voll abschalten, wenn ich in der Probe sitze, weil man sich konzentrieren muss, auch wenn man nicht singt, oder man verfolgt die Noten und hört den Anderen zu.

Eva: Kannst du dich im Chorgesang selbst ausdrücken?

Ursula: Einmal ist es der gesundheitliche Aspekt, aber auch das Lebensgefühl, das finde ich so schön. Ich merke, man fängt ein Lied an und erarbeitet es langsam und nachher klingt es in der Gemeinschaft toll. Zunächst übe ich ja nur meine Altstimme. Mit der Altstimme hast du ja nicht die Hauptmelodie. Dann staune ich manchmal wie gut sich ein Lied mit allen Stimmen anhört.

 Torsten: Ja, das ist wie ein Puzzle, man sieht zuerst seine eigenen Teile und im Chorgesang ergibt sich dann ein schönes Bild, das sich zusammensetzt aus vielen dieser Teile. Und erst wenn die Teile zusammenpassen, dann ist´s komplett.

Ursula: Das Singen an sich ist für mich wichtig: Ich singe beim Radfahren, wenn ich traurig bin, wenn ich gut gelaunt bin; ich singe nicht immer mit Texten, aber Singen ist schön, für meinen eigenen Ausdruck. Mein Klavier hilft mir, wenn wir neue Lieder einüben, dann spiele ich mit einer Hand meine Altstimme. Die Gemeinschaft spielt auch eine Rolle. Es sind nette Leute dabei, man trifft sich einmal in der Woche und kann sich austauschen.

Torsten: Was würdest du interessierten Personen sagen?

Ursula: Denen würde ich erzählen, wie es mir erging, dass ich am Anfang nur wenig selbstbewusst ganz leise mitgesungen habe und dann nach einigen Chorstunden gemerkt habe, oh, da tut sich ja was. Inzwischen macht mir das gar nichts mehr aus, laut mitzusingen, wenn´s verkehrt ist, ist´s auch gut und nicht schlimm. Dann merkt der Chorleiter, was noch zu tun ist. Den Mut bekommt man. Diese Entwicklung finde ich toll.
Ich würde jedem raten, mal in einen Chor zu gehen; man kann ja erst schnuppern. Man sollte sich wohlfühlen, von den Mitgliedern her und – natürlich spielen die Lieder eine große Rolle. Mit den Hits oder Schlagern, die wir bei HinGehört singen, ist ja für jeden was dabei.

Eva: Ich finde das so spannend, wie die Melodien und Texte vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis wandern.

Ursula: Genau. Mir fällt es schwer, sich die Texte zu merken. In der Gruppe ist es einfacher, ich versuche vom Chorleiter den Text vom Mund abzulesen. Wenn die Melodie da ist, kommt der Text wiederum leichter ins Gedächtnis.

Torsten: Wie sähe dein Sonntagabend ohne Chorgesang aus?

Ursula: In Zeiten von Corona habe ich mich schon bisschen dran gewöhnt, so ohne Chor. Aber es fehlt was, ich vermisse die Stunde.

Torsten und Eva: Danke, liebe Ursel für dieses Interview! Bleib schön gesund! Wir alle hoffen, dass wir bald wieder zusammen singen dürfen.

DIe Reihe der bereits geführten Interviews: